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Erzprüfung

Mechanische Prüfungen2026-10-31

Die Erzprüfung umfasst die analytische Untersuchung von Erzproben hinsichtlich chemischer Zusammensetzung, physikalischer Eigenschaften und verarbeitungstechnischer Kennwerte. Zu den zentralen Prüffeldern zählen die Probenahme und Probenvorbereitung, die Element- und Mineralbestimmung mittels Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) und induktiv gekoppelter Plasma-Optischer Emissionsspektrometrie (ICP-OES), die Feuchte- und Korngrößenanalyse, die Kohlenstoff- und Schwefelbestimmung durch Verbrennungsanalyse sowie die Bewertung von Prüfgenauigkeit und Wiederholbarkeit. Die Ergebnisse der Erzprüfung dienen der Wertermittlung im Handelsverkehr, der Einsatzplanung in der Verhüttung und der Qualitätssicherung entlang der Lieferkette. Ein strukturierter Prüfablauf mit definierten Methoden und Prüfkriterien macht die Analysenwerte verschiedener Laboratorien vergleichbar und bildet die Grundlage für verbindliche Abrechnungen zwischen Hersteller, Händler und Abnehmer.

Probenahme und Probenvorbereitung

Die Probenahme bestimmt die Aussagekraft aller nachfolgenden Analysen. Da Erze in Regel heterogen bezüglich Korngröße, Mineralverteilung und Beimengungen sind, muss die Entnahme den anerkannten Regeln derprobengerechten Teilmengenbildung folgen. In der Praxis wird die Liefermenge durch Schürfen, Bandabnahme oder Bohrkernentnahme beprobt; die entnommene Gesamtprobe wird anschließend über mehrere Teilungsschritte auf Laborgröße reduziert. Gebräuchliche Verfahren sind die Riffelteilung, die Kegel- und Vierteilung sowie Rotationsprobeneteiler.
Für die Probenvorbereitung gilt: Das Trocknen erfolgt bei moderaten Temperaturen, so dass Kristallwasser nicht ungewollt ausgetrieben wird. Anschließend wird die Probe gebrochen, gemahlen und auf eine definierte Feinheit eingebracht, üblicherweise unter 100 Mikrometer für Presslinge oder Schmelzaufschlüsse. Zur Herstellung von RFA-Presslingen werden Bindemittel zugesetzt; für Totalaufschlüsse kommen Lithiumtetraborat-Schmelzaufschlüsse zum Einsatz. Eine lückenlose Probenkennzeichnung, Dokumentation jedes Teilschritts und die Aufbewahrung von Rückstellproben sind verbindliche Bestandteile der prüffähigen Probenvorbereitung.

Element-

und Mineralbestimmung mittels RFA und ICP-OES
Die Röntgenfluoreszenzanalyse dient der quantitativen Bestimmung der Haupt- und Nebenelemente in Erzen. Sie arbeitet zerstörungsfrei, benötigt Presslinge oder Schmelzaufschlüsse und deckt Elemente von Natrium bis Uran ab. Wellenlängendispersive RFA-Systeme erreichen hohe Präzision und werden bevorzugt für Gehalte im Prozentbereich eingesetzt. Die Kalibrierung erfolgt über matrixangepasste Referenzmaterialien; matrixeffekte werden über mathematische Korrekturmodelle ausgeglichen.
Für Spuren- und Nebenbestandteile im ppm-Bereich ist die ICP-OES das bevorzugte Verfahren. Die Probe wird dazu durch Säureaufschluss in Lösung überführt, in das Plasma eingesprüht und die elementspezifischen Emissionslinien spektral ausgewertet. Störelemente werden über alternativ ausgewählte Analysenlinien oder interner Standards korrigiert. Wichtige Betriebspunkte sind die Aufschlussvollständigkeit, Blindwertkontrolle und Matrixanpassung der Kalibrierstandards. Für die Mineralphasenbestimmung ergänzt die Röntgendiffraktometrie (XRD) die Elementanalytik, da aus der Elementverteilung nicht unmittelbar auf die Mineralbindung geschlossen werden kann. Die Kombination beider Methoden ergibt ein vollständiges Bild über chemische und mineralogische Zusammensetzung der Probe.

Feuchte- und Korngrößenanalyse

Die Feuchtebestimmung erfolgt gravimetrisch durch Trocknung der Probe bis zur Massekonstanz im Trockenschrank, üblicherweise bei 105 °C. Für Erze mit hygroskopischen Eigenschaften oder oxidischen Phasen kann eine Ofenmethode mit geringerer Temperaturstufe angesetzt werden, so dass thermische Zersetzung ausgeschlossen bleibt. Die Differenzwiegung vor und nach Trocknung ergibt den Wassergehalt, der für die Umrechnung von Analysenwerten auf Trocken- oder Feuchtsubstanz erforderlich ist.
Die Korngrößenanalyse beschreibt die Kornverteilung, die für Aufbereitung, Verhüttung und Transportverhalten relevant ist. Genutzt werden Siebanalyse mit Prüfsiebsätzen für gröbere Fraktionen sowie Laserbeugung für Fein- und Feinstkorn. Bei stark verdichteten oder agglomerierten Proben ist eine Dispergierung vor der Messung vorzunehmen, damit Primärkörner erfasst werden. Aus der Kornverteilung lassen sich Kennwerte wie Medianwert, Spannweite und Anteile definierter Fraktionen ablesen und mit vertraglichen Spezifikationen abgleichen.

Kohlstoff-

und Schwefelbestimmung – Verbrennungsanalyse
Für die gleichzeitige Bestimmung von Kohlenstoff und Schwefel hat sich die Verbrennungsanalyse mit Infrarotdetektion etabliert. Eine eingewogene Probe wird im Sauerstoffstrom bei Temperaturen oberhalb 1300 °C, häufig mit Zuschlägen wie Wolframoxid oder Eisen als Verbrennungshilfe, vollständig oxidiert. Die Reaktionsgase werden über Katalysatoren und Absorptionsstufen geleitet; Schwefeldioxid sowie Kohlendioxid werden selektiv über nichtdispersive Infrarotsensoren quantifiziert.
Für die Gehaltsbestimmung sind Kalibrierungen mit zertifizierten Referenzmaterialien vergleichbarer Matrix erforderlich. Blindwerte, Wiederholbestimmungen undDriftkontrollen runden das Qualitätssicherungsschema ab. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Differenzierung von Gesamtkohlenstoff und gegebenenfalls Kohlenstoff aus Karbonaten, für die eine vorangehende Säurebehandlung eingesetzt werden kann. Die Ergebnisse der Verbrennungsanalyse sind unmittelbar verwertbar für die Beurteilung von Verschmutzungen, die Einstellung von Schmelzprozessen und die Einhaltung vertraglich vereinbarter Höchstgehalte.

Prüfgenauigkeit und Wiederholbarkeit

Die Zuverlässigkeit von Prüfergebnissen wird über systematische Qualitätskontrolle nachgewiesen. Wiederholbestimmungen an derselben Probe liefern die Wiederholpräzision; Blindproben, Doppelbestimmungen und eingestreute Referenzmaterialien decken systematische Abweichungen auf. Für jeden Prüfabschnitt werden Wiederhol- und Vergleichsgrenzen festgelegt, etwa über anerkannte Normen oder vertragliche Vereinbarungen zwischen den Vertragsparteien.
Zwischen verschiedenen Laboratorien können Unterschiede durch Aufschlussart, Kalibrierung und Matrixzusammensetzung entstehen. Deshalb sind Ringversuche und der regelmäßige Einsatz zertifizierter Referenzmaterialien übliche Instrumente, um Laborvergleiche abzusichern. Bei Abweichungen über den vereinbarten Grenzen sind Nachprüfungen mit unabhängiger Methode vorgesehen, etwa die Gegenüberstellung von RFA- und ICP-OES-Ergebnissen oder eine Drittanalyse. Die Messunsicherheit wird dokumentiert und geht in die Bewertung der Konformität mit Spezifikationen ein. Ergebnisberichte enthalten neben den Gehaltswerten auch Angaben zu Methode, Probenzustand und Prüfrahmen.

Anwendung in Handel und Verhüttung

Im Handel dienen die Prüfergebnisse der Erzprüfung als Grundlage für Preisstellung, Verwiegung und Abrechnung. Metallgehalte, Feuchte und Schadstoffgehalte fließen in die Wertermittlung ein; vertraglich vereinbarte Toleranzen und Prämien- beziehungsweise Malusregelungen orientieren sich an den zertifizierten Analysenwerten. Bei Differenzen zwischen Lieferanten- und Empfängeranalyse greifen üblicherweise Schiedsanalysen, die von einer unabhängigen Prüfstelle durchgeführt werden.
Für die Verhüttung liefern die Prüfwerte die Basis für die Einsatzplanung in Sinteranlagen, Pelletieranlagen und Hochöfen beziehungsweise Direktreduktionsverfahren. Elementgehalte beeinflussen Schlackenbildung, Energiebedarf und Produktqualität; Kornverteilung und Feuchte bestimmen die Handlingeigenschaften. Phosphor-, Schwefel- und Alkalieinträge sind prozessseitig begrenzt und werden über die Erzprüfung überwacht. Die systematische Prüfung jeder Lieferung erlaubt eine chargengenaue Rückverfolgbarkeit und stützt die Prozessführung der Werke.

FAQ

Worauf

stützt sich die Beurteilung von Prüfergebnissen der Erzprüfung?
Die Beurteilung erfolgt gegen vertraglich vereinbarte Spezifikationen sowie anerkannte Normen für Probenahme, Analyse und Wiederholgrenzen. Wiederhol- und Vergleichsgrenzen aus etablierten Prüfnormen sowie dokumentierte Messunsicherheiten bilden den Rahmen, innerhalb dessen Ergebnisse als konform gelten.

Für welche Materialien ist die Erzprüfung anwendbar?

Die Erzprüfung eignet sich für verschiedene Erzarten, Aufbereitungsprodukte wie Konzentrate und Pellets sowie Zwischenprodukte der Aufbereitung. Sowohl Massenerze als auch feinkörnige oder schmelzaufgeschlossene Proben lassen sich über die beschriebenen Methoden der Element-, Feuchte-, Korngrößen- und Verbrennungsanalytik prüfen.

Was enthält ein Prüfbericht der Erzprüfung und wozu dient er?

Der Bericht weist die ermittelten Elementgehalte, Feuchte, Kornverteilung sowie Kohlenstoff- und Schwefelwerte aus, ergänzt um Angaben zur Probenahme, Methode und Messunsicherheit. Er dient der handelsüblichen Abrechnung, der Schiedsanalyse bei Differenzen und der Einsatzplanung in der Verhüttung.