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Permeabilitätsprüfung

Mechanische Prüfungen2026-11-05

Die Permeabilitätsprüfung ermittelt, wie gut Gase oder Flüssigkeiten einen Werkstoff, eine Membran oder ein Bauteil durchdringen können. Das Prüfobjekt reicht dabei von Verpackungsfolien und Membranen über Kunststoff- und Verbundwerkstoffe bis hin zu geotechnischen Bodenproben. Zentrale Prüfgröße ist die Permeabilität beziehungsweise die Permeationsrate, also die Menge eines Mediums, die pro Zeiteinheit und Fläche durch die Probe strömt. Der vorliegende Beitrag beschreibt zunächst die physikalischen und verfahrenstechnischen Grundlagen, danach die Probentypen und die Probenentnahme, die gängigen Durchlässigkeitsmessverfahren, die Kennwerte Empfindlichkeit, Wiederholgenauigkeit und Linearbereich sowie die Berichterstattung nach DIN-EN-ISO-Normen. Abschließend werden Anwendungsfelder und ergänzende Prüfparameter erläutert. Damit lassen sich Prüfaufwand, Aussagekraft und Auswahl des geeigneten Verfahrens vorab bewerten und Vergleiche zwischen Werkstoffen auf eine nachvollziehbare Grundlage stellen.

Prinzip

und Verfahrensgrundlagen der Permeabilitätsprüfung
Grundlage jeder Permeabilitätsprüfung ist der Stofftransport durch ein festes Material unter dem Einfluss eines treibenden Gefälles, meist einer Druck- oder Konzentrationsdifferenz. Der Transport verläuft in drei Schritten: Sorption des Mediums an der Eintrittsseite, Diffusion durch das Probenvolumen und Desorption an der Austrittsseite. Im stationären Zustand ist die durchtretende Stoffmenge proportional zur Zeit, zur Fläche und zum Gefälle; aus dieser Proportionalität lässt sich der Permeabilitätskoeffizient berechnen. Je nach Medium spricht man von Gaspermeabilität, zum Beispiel Sauerstoff oder Kohlendioxid, oder von Dampfpermeabilität, etwa Wasserdampf. Das Messprinzip wird stets so aufgebaut, dass die Probe eine Messkammer in zwei Bereiche trennt: Auf der einen Seite wird das Prüfgas oder der Dampf zugeführt, auf der anderen Seite detektiert ein Sensor die durchgetretene Menge. Die Messzellen sind thermostatisiert, weil die Permeation stark temperaturabhängig ist. Vor Beginn der eigentlichen Messung wird die apparative Dichtheit ohne Probe geprüft, um Leckagefehler auszuschließen.

Probentypen und Probenentnahme

Zulässige Probentypen sind unter anderem flächige Folien und Membranen, Platten aus Kunststoff oder Verbundwerkstoff, beschichtete Substrate sowie zylindrische Körper und Bodenproben. Bei flächigen Proben wird eine definierter Prüffläche mit der Messzelle verschlossen; die Dichtfläche muss frei von Falten, Kratzern und Poren sein. Die Probenentnahme erfolgt repräsentativ aus der Charge, an repräsentativer Stelle und ohne mechanische Beschädigung der lateralen Ränder. Konditionierung vor der Prüfung gehört zum Verfahrensbestandteil: Die Proben werden über eine definierte Dauer bei festgelegter Temperatur und relativer Luftfeuchte gelagert, damit der Ausgleichszustand erreicht wird. Feuchtigkeitsempfindliche Materialien werden in geeigneten Behältnissen transportiert, um eine Zweitfeuchteaufnahme zu verhindern. Die Probendicke wird an mehreren Stellen gemessen und dokumentiert, weil sie direkt in die Berechnung des Permeabilitätskoeffizienten eingeht. Für jede Prüfung sind Probenanzahl, Entnahmeort und Konditionierungsbedingungen im Prüfprotokoll festzuhalten, damit die Ergebnisse rückverfolgbar und wiederholbar bleiben.

Prüfmethoden

im Überblick – Durchlässigkeitsmessung
Für die Durchlässigkeitsmessung haben sich mehrere Verfahren etabliert. Das Differenzdruckverfahren sperrt eine Kammer ab, evakuiert beide Seiten der Probe und misst den Druckanstieg oder Druckabfall auf der Detektionsseite; daraus berechnet ein Auswertungsprogramm die Gasmengenstromdichte. Das Trägergasverfahren spült die Detektionsseite mit einem Inertgas und führt das Permeat einem Sensor zu, zum Beispiel einem Coulomb-Sensor für Sauerstoff oder einem Infrarotsensor für Kohlendioxid und Wasserdampf. Für Wasserdampf ist die Gravimetrie verbreitet: Eine mit Trockenmittel gefüllte Prüfschale wird mit der Probe verschlossen und gewichtskontinuierlich verfolgt. Ergänzend kommen die Gravimetrie nach dem Becherverfahren und das Infrarotsensorverfahren für Wasserdampfdurchlässigkeit von Verpackungen hinzu. Bei geotechnischen Fragestellungen dient die Durchströmungsprüfung mit Wasser als Standardweg zur Bestimmung der hydraulischen Leitfähigkeit. Die Auswahl des Verfahrens richtet sich nach dem Prüfgas, dem erwarteten Permeationsniveau und der Probengeometrie. Jede Methode erfordert eine Kalibrierung mit Referenzmaterialien bekannter Permeabilität.

Kennwerte:

Empfindlichkeit, Wiederholgenaltigkeit und Linearbereich
Empfindlichkeit bezeichnet die kleinste Permeationsrate, die das Messsystem noch vom Grundrauschen unterscheiden kann; sie begrenzt den Einsatzbereich bei Sperrschichtmaterialien mit geringer Durchlässigkeit. Die Wiederholgenauigkeit beschreibt die Streuung der Messwerte bei wiederholter Prüfung derselben Probe unter gleichen Bedingungen; sie wird über die Vergleichsprüfung mehrerer Proben und über Wiederholungsmessungen an einem Material ermittelt und in der Regel als relative Standardabweichung angegeben. Der Linearbereich ist der Intervall der Permeationsrate, in dem die Sensorantwort proportional zur durchtretenden Stoffmenge verläuft; außerhalb dieses Bereiches sind die Messwerte nicht auswertbar. Vor der Prüfung ist zu prüfen, ob der erwartete Wert im Linearbereich liegt; andernfalls werden Messfläche, Prüfgasdruck oder Messdauer angepasst. Für die Streuung können materialspezifische Einflüsse wie Dickenunterschiede, Inhomogenitäten und Konditionierungszustand verantwortlich sein, weshalb Mehrfachbestimmungen üblich sind. Alle drei Kennwerte together bestimmen die Aussagekraft der Prüfung und sind im Bericht zu dokumentieren.

Prüfberichte und Normen (DIN EN ISO)

Ein Prüfbericht zur Permeabilitätsprüfung nennt die angewendete Norm, das Prüfverfahren, das Prüfgas oder Prüfgemisch, die Prüftemperatur und die relative Luftfeuchte, die Probendicke, die Prüffläche sowie die ermittelte Permeationsrate oder den Permeabilitätskoeffizienten mit Einheit. Ergänzend werden die Probenbezeichnung, die Konditionierung, die Anzahl der Einzelmessungen und Hinweise auf Abweichungen vom Normablauf angegeben. Relevante Normen der Reihe DIN EN ISO regeln unter anderem die Bestimmung der Gasdurchlässigkeit von Kunststofffolien und -platten nach dem Differenzdruck- und Trägergasverfahren, die Wasserdampfdurchlässigkeit nach dem Gravimetrieverfahren sowie die Prüfung von Verpackungen. Für geotechnische Durchlässigkeitsprüfungen existieren eigene nationale Regelwerke. Die Berichterstattung folgt dem Grundsatz der Vollständigkeit: Ein Dritter muss das Ergebnis ohne Zusatzinformationen einordnen können. Abweichungen, Sonderrandbedingungen und unvollständig konditionierte Proben sind ausdrücklich zu vermerken. Akkreditierte Laboratorien weisen die Verfahrenskompetenz durch regelmäßige Kalibrierung und Teilnahme an Vergleichsprüfungen nach.

Anwendungsfelder

und ergänzende Prüfparameter
Anwendungsfelder der Permeabilitätsprüfung sind unter anderem die Verpackungsentwicklung, die Barrierematerialforschung, die Bauproduktprüfung und die Geotechnik. In der Verpackungsbranche steuert die Sauerstoff- und Wasserdampfdurchlässigkeit Haltbarkeit und Qualitätssicherung von Lebensmitteln; in der Medizintechnik ist sie für Sterilbarrieresysteme relevant. Im Bauwesen werden Dampfbrems- und Dichtungsbahnen geprüft; in der Geotechnik dient die Durchlässigkeitsprüfung zur Beurteilung von Bodenschichten und Dichtelementen. Als ergänzende Prüfparameter werden häufig die Dichte, die Schichtdicke, die mechanischen Eigenschaften sowie die Oberflächenbeschaffenheit herangezogen, da die Barrierewirkung von Schichtaufbau und Verarbeitung beeinflusst wird. Für Mehrschichtsysteme ist die Prüfung nach jeder Verarbeitungsstufe sinnvoll, um den Einfluss von Beschichtung oder Laminierung zu erkennen. Temperaturwechsel und Langzeitlagerung erweitern die Aussagekraft, weil Permeationsraten unter Einsatzbedingungen von den Laborwerten abweichen können. Die Kombination von Permeabilitätsdaten mit diesen Parametern erlaubt eine belastbare Bewertung der Gesamtfunktion eines Materials oder Bauteils.

FAQ

Wie lange dauert eine Permeabilitätsprüfung und wann liegt der Bericht vor?

Die Dauer hängt vom Verfahren und vom Barriereniveau ab: Hohe Permeationsraten sind innerhalb kurzer Zeit messbar, während Sperrmaterialien bis zum Erreichen des stationären Zustands deutlich längere Messzeiten erfordern. Der Prüfbericht wird nach Abschluss der Auswertung und Prüfung der Plausibilität erstellt; konkrete Fristen stimmt das Labor mit dem Auftraggeber ab.

Welche

Proben sind für die Permeabilitätsprüfung einzureichen?
Einzureichen sind flächige Proben wie Folien, Membranen oder Platten mit ausreichender Fläche für die jeweilige Messzelle, unbeschädigte Ränder und dokumentierter Entnahmestelle. Die Konditionierung erfolgt nach Vorgabe der Norm; Probendicke und Materialaufbau sind anzugeben, da beide in die Auswertung eingehen.

Wann

ist welches Permeabilitätsprüfverfahren zu wählen?
Für Gase wie Sauerstoff und Kohlendioxid stehen Differenzdruck- und Trägergasverfahren zur Verfügung; letzteres ist bei geringen Permeationsraten vorzuziehen. Für Wasserdampf kommen Gravimetrie und sensorische Verfahren infrage. Die Wahl richtet sich nach Prüfgas, erwartetem Durchlässigkeitsniveau und Probengeometrie.