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Prüfmethoden und Ablauf für Photokatalysator-Produkte: Welche Prüfparameter gibt es?

Mechanische Prüfungen2026-10-19

Photokatalysator-Produkte umfassen Beschichtungen, Baustoffe, Folien und pulverförmige Materialien auf Basis überwiegend photokatalytisch aktiver Oxide. Ihre Qualität lässt sich nicht über ein einzelnes Merkmal beurteilen; erforderlich ist eine kombinierte Prüfung von Wirkprinzip, Probenaufbau, photokatalytischer Aktivität, materialseitiger Charakterisierung sowie der Wiederholbarkeit der Messung. Die vorliegende Darstellung ordnet die relevanten Prüfmethoden und den typischen Ablauf einer Prüfung für Photokatalysator-Produkte. Im Mittelpunkt stehen die Abbauversuche nach ISO 22197, die physikalische Charakterisierung mittels XRD, BET und UV-Vis-Spektroskopie sowie die normative Einordnung der Prüfergebnisse. Auftraggeber erhalten hierdurch eine Übersicht über die Prüfparameter, die für Produktentwicklung, Vergleichbarkeit und aussagekräftige Prüfberichte maßgeblich sind.

Principle & mechanism

Grundlage der photokatalytischen Wirkung ist die Anregung von Halbleiteroxid-Partikeln durch Licht mit einer Energie oberhalb der Bandlücke. Bei Bestrahlung im Ultraviolett- oder nahen UV-Bereich werden Elektronen vom Valenzband ins Leitungsband gehoben. Es entstehen Elektron-Loch-Paare, die an der Partikeloberfläche mit Wasser und Sauerstoff reagieren. Dabei bilden sich reaktive Sauerstoffspezies, insbesondere Hydroxylradikale und Superoxidradikale. Diese Spezies oxidieren adsorbierte organische Verbindungen schrittweise zu Kohlendioxid und Wasser. Für die Prüfung ergibt sich daraus ein zweistufiges Wirkmodell: Zunächst müssen die Proben unter definierter Bestrahlung angeregt werden, anschließend wird der Umsatz einer Modellsubstanz im Gas- oder Flüssigkeitsstrom verfolgt. Die Bandlückenenergie bestimmt die spektrale Empfindlichkeit des Materials und gehört deshalb zu den ersten Kennwerten einer Prüfung. Sie wird üblicherweise aus UV-Vis-Messungen abgeleitet. Das Verständnis dieses Mechanismus ist Voraussetzung für die Auswahl sinnvoller Prüfparameter wie Bestrahlungsstärke, Wellenlängenbereich, Luftfeuchte und Verweilzeit.

Prüfmuster und Probenvorbereitung

Die Probenvorbereitung bestimmt die Vergleichbarkeit der Ergebnisse in hohem Maß. Für Beschichtungen und bauchemische Produkte werden Plättchen aus Glas, Keramik oder Aluminium als Substrate genutzt, auf die das Produkt unter festgelegten Bedingungen appliziert und ausgehärtet wird. Pulverförmige Photokatalysatoren werden entweder als Pressling, als Suspension auf ein Substrat gebracht oder in einer Prüfanordnung fixiert. Vor der Prüfung sind die Proben zu konditionieren, üblicherweise durch Lagerung unter definierter Temperatur und Luftfeuchte, damit Restlösemittel und Feuchtigkeitseinflüsse die Messung nicht verfälschen. Die aktive Fläche ist geometrisch zu vermessen und im Prüfbericht zu dokumentieren. Zusätzlich erfolgt häufig eine Reinigung der Oberfläche, etwa durch Spülen mit Reinstwasser und anschließende Trocknung, um Fremdorganik von der Herstellung zu entfernen. Für jede Prüfreihe sind Referenzproben ohne photokatalytische Aktivität mitzuführen. Diese Blindwerte dienen dem Nachweis, dass ein beobachteter Abbau tatsächlich auf den Photokatalysator zurückgeht und nicht auf photolytische oder adsorptive Effekte des Substrats.

Photokatalytische

Aktivität – Abbauversuch nach ISO 22197
Die ISO 22197 beschreibt in mehreren Teilen Gasabbauversuche, deren Teil 1 den Abbau von Stickstoffmonoxid (NO) regelt. Ein Prüfgas definierter Konzentration wird mit eingestellter Feuchte und Volumenstrom über die bestrahlte Probenoberfläche geleitet. Als Strahlungsquelle dient eine Lampe, deren Spektrum und Bestrahlungsstärke an der Probenoberfläche festgelegt sind. Nach einer Dunkelphase zur Einstellung des Adsorptionsgleichgewichts beginnt die Bestrahlung. Die Konzentrationen von NO, NO₂ und NOx werden stromabwärts kontinuierlich mit einem Chemilumineszenz-NOx-Analysator verfolgt. Aus den Differenzen zwischen Zu- und Ablauf werden Abbaurate und Selektivität berechnet, also das Verhältnis von NO-Abbau zu Bildung des unerwünschten Zwischenprodukts NO₂. Weitere Teile der Norm decken den Abbau von Acetaldehyd, Toluol und Formaldehyd ab; diese Versuche laufen im Durchflussreaktor mit gaschromatografischer oder FTIR-analytischer Detektion. Wichtigste Stellgrößen sind Bestrahlungsstärke, Feuchte, Fließgeschwindigkeit und Anfangskonzentration. Abweichungen davon sind im Prüfbericht zu vermerken, da sie die Vergleichbarkeit zwischen Laboratorien begrenzen.

Charakterisierung:

XRD, BET und UV-Vis-Spektroskopie
Neben dem Aktivitätstest liefern strukturelle Methoden Hinweise auf die Ursachen des beobachteten Verhaltens. Die Röntgenbeugung (XRD) identifiziert die kristalline Phase und erlaubt über Reflexbreiten eine Abschätzung der Kristallitgröße. Für Titandioxid ist die Unterscheidung von Anatas- und Rutilanteil relevant, da beide Phasen unterschiedliche Bandlücken und Aktivitäten aufweisen. Die BET-Gasadsorption mit Stickstoff bestimmt die spezifische Oberfläche des Pulvers. Eine hohe spezifische Oberfläche erhöht die Zahl aktiver Zentren pro Masse, korreliert mit der Aktivität jedoch nicht streng, da Agglomeration und Dispergierung den Effekt überlagern. Die UV-Vis-Spektroskopie, oft als diffuses Reflexionsmessverfahren durchgeführt, liefert das Absorptionsspektrum. Daraus wird über Tauc-Auftragung die optische Bandlücke abgeleitet. Spektrale Verschiebungen ins Sichtbare deuten auf Dotierungen oder Defektstellen hin. In der Gesamtbewertung werden die drei Verfahren ergänzend herangezogen: XRD für Phasenreinheit, BET für Oberflächenverfügbarkeit, UV-Vis für das spektrale Ansprechvermögen. Diese Kombination erlaubt es, Aktivitätsunterschiede zwischen Produktchargen ursächlich einzuordnen.

Haltbarkeit

und Wiederholbarkeit der Messung
Photokatalytische Effekte können durch Oberflächenbelegung, Abnutzung oder Umwandlung der aktiven Phase nachlassen. Prüfungen zur Haltbarkeit prüfen daher die Aktivität nach definierten Belastungen erneut. Für Beschichtungen sind Abriebs- und Scheuertests sowie Wechselklimaprüfungen üblich, gefolgt von einer Wiederholung des Gasabbauversuchs. Bewitterungsverfahren mit UV-Feuchte-Zyklen simulieren den Einsatz im Außenbereich. Ein Aktivitätsverlust nach Belastung ist als relative Änderung gegenüber dem Ausgangszustand anzugeben. Für die Wiederholbarkeit der Messung selbst sind die Randbedingungen der Norm einzuhalten: konstante Bestrahlungsstärke, stabile Feuchte- und Flussregelung, kalibrierte Gasanalytik und ausreichende Equilibrierungszeiten. Parallelbestimmungen auf mehreren Probenträgern offenbaren Inhomogenitäten der Beschichtung. Laborinterne Wiederholprüfungen und die Mitführung eines Referenzmaterials kontrollieren die Streuung des Verfahrens. Bei starker Streuung sind Ursachen wie ungleichmäßige Schichtdicken, Randzonen-Effekte im Reaktor oder Drift der Lampe zu prüfen. Nur bei nachgewiesener Wiederholbarkeit sind Produktvergleiche und Aussagen über Haltbarkeitsgrenzen tragfähig.

Relevante Normen und Prüfberichte

Für Photokatalysator-Produkte bildet die Normenreihe ISO 22197 den Kern der Leistungsprüfung. Ergänzend regelt die ISO 10675 beziehungsweise die ISO 17094 Vorbedingungen wie Bestrahlung und Feuchte; die ISO 27447 bezieht sich auf die antibakterielle Wirkung und die ISO 22197-Teile auf verschiedene Schadgase. Für selbstreinigende Oberflächen ist die ISO 27448 zum Abbau von Fettsäuren und die ISO 10678 zur Wasserbenetzbarkeit heranzuziehen. Der Prüfbericht eines akkreditierten Laboratoriums sollte mindestens folgende Angaben enthalten: Probenbezeichnung und -aufbau, aktive Fläche, Konditionierung, Bestrahlungsstärke und Spektrum, Prüfgas und Konzentrationen, Feuchte und Volumenstrom, Messdauer sowie die berechneten Abbauraten mit Angabe der Streuung. Bei Charakterisierungen sind die Ergebnisse von XRD, BET und UV-Vis mit Messbedingungen aufzuführen. Ein vollständiger Bericht ermöglicht dem Auftraggeber, Ergebnisse unterschiedlicher Lieferanten unter gleichen Bedingungen zu vergleichen. Er dient zudem als Dokumentationsgrundlage für Produktdeklarationen, Qualitätssicherung und die Kommunikation gegenüber Verarbeitern.

FAQ

Welche

Inhalte enthält ein Prüfbericht für Photokatalysator-Produkte und wozu wird er genutzt?
Der Bericht dokumentiert Probenaufbau, aktive Fläche, Bestrahlungsbedingungen, Prüfgas, Feuchte und Volumenstrom sowie die Abbauraten nach ISO 22197. Ergänzend werden XRD-, BET- und UV-Vis-Ergebnisse aufgeführt. Auftraggeber nutzen solche Berichte für den Vergleich von Produktchargen, für Qualitätssicherung und für die Kommunikation gegenüber Verarbeitern.

Wie läuft die Beauftragung einer Prüfung für Photokatalysator-Produkte ab und welche Punkte sind vorab zu klären?

Zunächst sind Probenträger, Beschichtungsart und gewünschte Prüfgase festzulegen. Mit dem Laboratorium sind Bestrahlungsstärke, Feuchte, Anzahl der Parallelbestimmungen sowie die gewünschten Charakterisierungsmethoden zu vereinbaren. Vorab zu klären sind zudem Referenzproben, Konditionierung und der Umfang der Wiederholungsprüfung nach Belastung.

Welche

Faktoren beeinflussen die Kosten einer Prüfung für Photokatalysator-Produkte?
Kostentreibend wirken die Zahl der geprüften Gase nach ISO 22197, der Umfang der Charakterisierung durch XRD, BET und UV-Vis sowie Haltbarkeitsversuche mit Wiederholungsmessungen. Auch Probenaufwand, Anzahl der Parallelbestimmungen und Berichtsdocumentation gehen in den Aufwand ein.