Die Prüfung von Atmungsventilen ist ein zentraler Bestandteil der Baumuster- und Konformitätsprüfung von Atemschutzgeräten sowie von partikelfiltrierenden Halbmasken. Atmungsventile steuern den Luftstrom beim Ausatmen und beeinflussen dadurch den Atemwiderstand, die Dichtigkeit der Maske und die Hygiene im Maskeninneren. Die vorliegende Darstellung beschreibt den Prüfgegenstand und die Funktionsweise des Ventils, die Prüfklassen und die Probenahme, die Prüfmethoden zu Atemwiderstand, Dichtigkeit und Partikelfiltration sowie die zugehörigen Leistungskennwerte. Ergänzend werden relevante Normen wie die EN 149 und typische Anwendungsszenarien erläutert. Ziel ist ein praxisnaher Überblick über den schrittweisen Prüfablauf von der Probenvorbereitung bis zur Bewertung der Ergebnisse.
Prüfablauf und Methoden
Der Prüfablauf gliedert sich in aufeinander aufbauende Schritte. Zuerst erfolgt die visuelle Inspektion der Ventile auf Verarbeitungsmängel, Verformungen, Risse und Sitz der Ventilplatte. Anschließend werden die Ventile in die dafür vorgesehene Maskenkörpergeometrie eingebaut, da viele Kennwerte nur im verbauten Zustand realistisch messbar sind. Die Konditionierung der Proben erfolgt unter definierten Klimabedingungen, damit Materialzustand und Messergebnisse vergleichbar bleiben. Danach folgen die funktionalen Prüfungen in fester Reihenfolge: Atemwiderstandsmessung bei definierten Volumenströmen, Dichtigkeitsprüfung des Ventilsitzes sowie Filtrationsprüfungen am Gesamtsystem. Abschließend werden die Messwerte dokumentiert und gegen die Grenzwerte der einschlägigen Normen bewertet. Diese Schrittfolge garantiert, dass Fehlerursachen eindeutig zugeordnet werden können.
Prüfgegenstand
und Funktionsweise des Atmungsventils
Ein Atmungsventil ist ein mechanisches Rückschlagventil in filtrierenden Halbmasken und Masken. Es öffnet beim Ausatmen durch den Überdruck im Maskeninneren und schließt beim Einatmen durch den Unterdruck sowie durch die elastische Vorspannung der Ventilplatte. Auf diese Weise wird die ausgeatmete Luft nach außen geleitet, ohne dass Partikel von außen in das Maskeninnere gelangen. Vorteile sind ein geringerer Atemwiderstand beim Ausatmen, weniger Feuchtigkeitsstau im Filtermedium und ein höherer Tragekomfort. Prüfgegenstand sind die Ventilplatte, der Ventilsitz, die Auflagefläche und die mechanische Funktion unter wechselnder Atemluftfeuchte. Fehlerbilder wie Verkleben der Platte, ungleichmäßiger Sitz oder Ermüdung des Materials beeinträchtigen die Schutzwirkung und müssen durch die Prüfung erkannt werden.
Prüfklassen und Probenahme
Die Probenahme richtet sich nach den Anforderungen der jeweils anzuwendenden Produktnorm. Für partikelfiltrierende Halbmasken nach EN 149 werden die Modelle in Filterklassen FFP1, FFP2 und FFP3 eingeteilt, die sich am Gesamtleckagegrenzwert und an der Abscheideleistung orientieren. Für die Prüfung werden Muster aus der laufenden Produktion oder aus der Baumusterqualifikation gezogen. Die Auswahl erfolgt so, dass unterschiedliche Größen, Produktionschargen und Losgrößen abgedeckt sind. Vor der Prüfung sind die Proben gemäß Normvorgabe zu konditionieren, üblicherweise durch Lagerung unter definierter Temperatur und Luftfeuchte über einen festgelegten Zeitraum. Zusätzlich werden Prüfungen am Neuzustand und nach simulierter Beanspruchung, etwa durch Vortragen auf einem Prüfkopf oder nach Feuchtlagerung, durchgeführt, um Alterungseinflüsse zu erfassen.
Prüfmethoden
— Atemwiderstand, Dichtigkeit und Partikelfiltration
Zur Messung des Atemwiderstands wird die Maske auf einen Prüfkopf mitatemungsähnlicher Durchströmung gesetzt. Gemessen wird der Differenzdruck bei festgelegten konstanten Volumenströmen getrennt für Ein- und Ausatmung; die Werte dürfen die normativen Grenzwerte nicht überschreiten. Die Dichtigkeitsprüfung des Ausatemventils erfolgt über eine Druckhalteprüfung oder eine Leckagemessung mit verdünnter aerosolförmiger Prüfatmosphäre, wobei das geschlossene Ventil keine nennenswerte Durchströmung aufweisen darf. Ergänzend wird das Öffnungs- und Schließverhalten über zyklische Beaufschlagung beurteilt. Die Partikelfiltration wird mit aerosolerzeugenden Prüfeinrichtungen gemessen, die Natriumchlorid- oder Paraffinöl-Aerosole definierter Partikelgrößenverteilung erzeugen. Gemessen wird die Penetration stromabwärts der Maske, meist durch Streulichtphotometrie. Zur abschließenden Gesamtbeurteilung dient die Leckageprüfung am Menschen oder am Prüfkopf.
Leistungskennwerte
und Bewertungskriterien
Zentrale Kennwerte sind der Einatemwiderstand, der Ausatemwiderstand, die Ventilleckage, die Gesamt inward leakage sowie die Penetration der Prüfaerosole. Der Atemwiderstand wird als Differenzdruck in Pascal bei den normativ festgelegten Volumenströmen angegeben; obere Grenzwerte unterscheiden sich je nach Filterklasse. Die Ventilleckage wird als prozentualer Anteil der durch das geschlossene Ventil strömenden Luft bewertet und muss unterhalb der normativen Schwelle liegen. Die Gesamtinward leakage fasst Leckagen an Dichtungsfläche, Filtermedium und Ventil zusammen und ist für die Klasseneinteilung FFP1 bis FFP3 maßgeblich. Für die Bewertung werden die Messwerte aller Proben gegen die Grenzwerte verglichen; überschreitet eine Probe einen Grenzwert, gilt die Prüfung als nicht bestanden. Zusätzlich fließen Ergebnisse nach Konditionierung und mechanischer Beanspruchung in die Gesamtbewertung ein.
Relevante
Normen wie EN 149 und Anwendungsszenarien
Für partikelfiltrierende Halbmasken mit Ausatemventil ist die EN 149 die maßgebliche Produktnorm in Europa; sie regelt Anforderungen, Prüfverfahren und Kennzeichnung der Klassen FFP1 bis FFP3. Ergänzend definieren Normenreihen für Atemschutzgeräte, etwa die EN 136 für Vollmasken und die EN 140 für Halbmasken, Anforderungen an Ausatemventile einschließlich deren Widerstands- und Leckageverhalten. Im arbeitschutzrechtlichen Kontext bestimmen europäische Richtlinien zur persönlichen Schutzausrüstung, welche Risikoklassen einer benannten Stelle zur Baumusterprüfung vorliegen müssen. Anwendungsszenarien liegen im Arbeitsschutz bei staub- und aerosolexponierten Tätigkeiten, in der Gesundheitsversorgung, im Umgang mit faserigen Stäuben sowie in der Bau- und Metallindustrie. Für den Anwender ist die regelmäßige Prüfung die Grundlage, um die Schutzwirkung und die Konformität der Produkte beurteilen zu können.
FAQ
Was enthält ein Prüfbericht zur Prüfung von Atmungsventilen und wofür wird er verwendet?
Ein Prüfbericht dokumentiert Probendaten, Prüfklassen, Klimakonditionierung, Messmethoden sowie die Ergebnisse zu Atemwiderstand, Ventilleckage und Partikelfiltration. Er wird zur Konformitätsbewertung nach EN 149, zur Lieferantenbewertung und zur internen Qualitätssicherung herangezogen.
Wie läuft die Einsendung von Atmungsventilen zur Prüfung ab und welche Angaben sind wichtig?
Der Auftraggeber reicht Proben zusammen mit Produktbezeichnung, Filterklasse, gewünschten Prüfkriterien und anzuwendender Norm bei einem akkreditierten Labor ein. Wichtig sind die gewünschte Stückzahl, der Prüfungszweck, etwa Baumusterprüfung oder Serienkontrolle, sowie Angaben zur Konditionierung, damit der Prüfumfang eindeutig festgelegt wird.
Welche
Faktoren beeinflussen die Kosten der Prüfung von Atmungsventilen?
Die Kosten hängen vom Prüfumfang ab, also von der Anzahl der Prüfschritte wie Atemwiderstandsmessung, Dichtigkeitsprüfung und Filtrationsprüfung. Weitere Einflussfaktoren sind die Probenzahl je Prüfklassenumfang, die Konditionierungsdauer und eventuelle Zusatzprüfungen nach simulierter Beanspruchung.
