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Prüfung von Bekleidungsstoffen

Mechanische Prüfungen2026-11-05

Die Prüfung von Bekleidungsstoffen umfasst die analytische und physikalische Untersuchung textiler Flächengebilde, die für Oberbekleidung, Wäsche, Berufskleidung und Heimtextilien eingesetzt werden. Gegenstand sind Gewebe, Gestricke und WirkeWARE sowie beschichtete oder laminierte Materialien aus Naturfasern, Chemiefasern und Fasermischungen. Der vorliegende Beitrag beschreibt den Prüfablauf von der Probennahme über die Konditionierung bis zur Durchführung der Verfahren. Behandelt werden mechanisch-physikalische Kennwerte wie Zugfestigkeit und Scheuerbeständigkeit, chemisch-analytische Verfahren einschließlich GC-MS, HPLC und Spektrophotometrie sowie die Bewertung von Farbechtheiten und Gebrauchseigenschaften. Abschließend werden die maßgeblichen Kriterien und Normreihen von ISO, EN, DIN und AATCC eingeordnet. Ziel der Prüfung ist der objektive Nachweis von Gebrauchstauglichkeit, chemischer Unbedenklichkeit und Farbbeständigkeit gegenüber den Belastungen, denen Bekleidungsstoffe bei Herstellung, Pflege und Trageeinsatz ausgesetzt sind.

Prüfgegenstand und Probenarten

Prüfgegenstand sind textile Flächengebilde in dem Zustand, in dem sie in den Verkehr gebracht werden, also inklusive Ausrüstung, Färbung und eventuell vorhandener Beschichtung. Die Probenart richtet sich nach der Fragestellung: Vollstoffproben dienen den mechanischen Prüfungen, zugeschnittene Streifen der Zugprüfung, Rundproben mit definiertem Durchmesser der Masseflächenbestimmung. Für die chemische Analytik werden repräsentative Materialausschnitte entnommen, bei Mischungen getrennt nach Faserarten, wenn eine sortenreine Untersuchung erforderlich ist. Neben dem Endstoff können auch Zwischenprodukte wie Rohgewebe oder gefärbte Ware geprüft werden, etwa zur Verfolgung von Prozessstufen. Zubehör wie Nähte, Einsätze und Etiketten bildet bei erweiterten Fragestellungen eine eigene Probe. Vor jeder Entnahme ist zu prüfen, dass die Probe frei von sichtbaren Fehlstellen ist, damit das Ergebnis nicht durch Webfehler oder Verschmutzungen verfälscht wird.

Probenvorbereitung und Konditionierung

Vor der Prüfung werden die Proben von Verunreinigungen befreit und auf die geforderten Abmessungen gebracht. Streifen für die Zugprüfung erhalten gegebenenfalls gezogene Fadenränder, damit die Belastung parallel zur Kraftrichtung verläuft. Anschließend erfolgt die Konditionierung in einem Normklima, üblicherweise bei definierten Temperatur- und Feuchtebedingungen, bis die Proben die Feuchtigkeitsgleichgewichtsmasse erreicht haben. Erst nach dieser Klimatisierung dürfen die Messungen beginnen, da der Wassergehalt die mechanischen Eigenschaften von Zellulosefasern und die elektrischen Eigenschaften von Synthesefasern beeinflusst. Für die chemische Analytik ist eine getrennte Probenvorbereitung nötig: Je nach Parameter werden die Proben extrahiert, aufgeschlossen oder in Lösung überführt. Kunststoff- und Beschichtungsanteile erfordern ein von der Fasermatrix abweichendes Lösemittelverfahren. Alle Schritte sind zu dokumentieren, damit die Rückverfolgbarkeit vom Prüfergebnis zur ursprünglichen Warenpartie erhalten bleibt.

Physikalische

Prüfverfahren — Zugfestigkeit, Scheuertests, Maßänderung
Die Zugprüfung ermittelt Höchstzugkraft und Höchstzugkraftdehnung an Streifenproben in Kett- und Schussrichtung bzw. Maschenrichtung. Die Prüfung läuft in einer Universalprüfmaschine mit konstanter Geschwindigkeit; aufgezeichnet werden die Kraft-Dehnungs-Kurve und der Bruchverlauf. Ergänzend werden Reißkraft nach definierter Vorbelastung sowie Nahtzugfestigkeit geprüft, wenn die Verbindungsfestigkeit bewertet werden soll. Die Scheuerprüfung belastet die Probe durch wiederholte Reibung gegen einen Standardträger unter definiertem Druck, bis der Fadenbruch eintritt; die Anzahl der Zyklen bis zum Durchscheuern dient als Kennzahl für die Verschleißbeständigkeit. Die Maßänderungsprüfung unterzieht die Probe einer definierten Wasch- oder Nassbehandlung und stellt die Längenänderung in Längs- und Querrichtung fest. Diese drei Verfahrensgruppen bilden die Kernkennzahlen der mechanischen Gebrauchstauglichkeit und werden in Anforderungskatalogen des Handels regelmäßig als Mindestwerte festgeschrieben.

Chemische

Analytik — GC-MS, HPLC und Spektrophotometrie
Die Gaschromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung (GC-MS) trennt flüchtige und halbflüchtige organische Verbindungen aus Extrakten des Bekleidungsstoffs. Typische Anwendung ist die Bestimmung freigesetzter Amine aus Azofarbstoffen, daneben die Identifizierung von Weichmachern und Lösungsmittelresten. Die Hochleistungsflüssigchromromatographie (HPLC) dient der Bestimmung unpolarer bis mittelpolarer Substanzen, darunter allergene Dispersionsfarbstoffe und Konservierungsstoffe in Ausrüstungen; die Detektion erfolgt über UV- oder Diodenarray-Detektoren. Die Spektrophotometrie deckt anorganische und spezifische Ionen ab: Schwermetalle werden nach Aufschluss mittels Atomspektroskopie quantifiziert, Formaldehyd über eine Farbreaktion photometrisch gemessen. Für die Extraktion kommen unter Referenzbedingungen befindliche Lösemittel zum Einsatz, meist in Ultraschall- oder Soxhlet-Verfahren. Die Identifikation erfolgt über Spektrenbibliotheken und Retentionszeiten, die Quantifizierung über Kalibrierreihen mit zertifizierten Referenzsubstanzen.

Farbechtheit und Gebrauchseigenschaften

Farbechtheit beschreibt das Vermögen einer Färbung, ihre Nuance unter Belastung zu halten. Geprüft wird die Echtheit gegen Waschen, Wasser, Reiben, Licht, Schweiß und Bügeln. Bei Nass- und Trockenreibechtheit wird ein weißes Bezugsgewebe unter definierter Last über die Probe gezogen; die Anblutung wird mit der Grauskala bewertet. Die Lichtechtheit wird durch bewitterungsprüfung ermittelt, bei der die Probe unter einer geregelten Strahlungsquelle steht und gegen den Blauwollmaßstab verglichen wird. Zu den Gebrauchseigenschaften zählen ferner Knittererholung, Pillingneigung nach definiertem Reibkontakt, Wasserdurchlässigkeit und Dampfdurchlässigkeit als Kennzahlen für den Tragekomfort. Die Bewertung der Farbdifferenz erfolgt colorimetrisch mit einem Spektralphotometer, sodass neben dem visuellen Urteil ein messbarer Zahlenwert vorliegt. Echtheitsstufen werden einheitlich in Stufen von 1 bis 5 bzw. 1 bis 8 vergeben.

Prüfkriterien

und Normen (ISO, EN, DIN, AATCC)
Die Verfahrensgrundlagen stammen aus den Normreihen von ISO, EN und DIN; für den nordamerikanischen Markt kommen AATCC-Verfahren hinzu. Zugversuche an Textilien sind in den ISO-Normreihen zu Streifen- und Greifverfahren beschrieben, Scheuerprüfungen in Verfahren mit definierten Reibkörpern. Die Farbechtheitsprüfung folgt den ISO-105-Reihen, deren Teile die einzelnen Einwirkungen wie Waschen, Reiben, Licht und Schweiß regeln; die AATCC-Methodik bietet hierzu parallele Verfahren mit abweichenden Bedingungen. Chemische Grenzwerte, etwa für Azofarbstoffe, Formaldehyd und Schwermetalle, sind in nationalen Verordnungen und in den RV-Reihen des OEKO-TEX-Systems bzw. REACH-Anhängen verankert. Bei der Festlegung von Annahmekriterien wird zwischen Verfahrensnorm und Anforderungsnorm unterschieden: Erstere regelt die Durchführung, letztere legt Mindestwerte fest, die je nach Produktklasse und Einsatzbereich gestaffelt sind. Ein akkreditiertes Labor wendet die Norm in ihrer jeweils gültigen Fassung an und dokumentiert Abweichungen im Prüfbericht.

FAQ

Welche

Methode eignet sich wofür bei der Prüfung von Bekleidungsstoffen?
Mechanische Kennwerte werden mit Zugprüfmaschine und Scheuerprüfgerät ermittelt, flüchtige organische Verbindungen bevorzugt per GC-MS. HPLC eignet sich für allergene Dispersionsfarbstoffe, die Spektrophotometrie für Formaldehyd und Schwermetalle nach Aufschluss. Farbechtheiten werden mit genormten Einwirkungen und Grauskala bzw. Blauwollmaßstab bewertet.

Nach

welchen Kriterien werden Bekleidungsstoffe beurteilt?
Grundlage sind Verfahrensnormen der ISO-, EN- und DIN-Reihen sowie AATCC-Methoden für den nordamerikanischen Markt. Die Bewertung erfolgt über Echtheitsstufen, Messwerte wie Höchstzugkraft und Maßänderung sowie Grenzwerte für Schadstoffe. Anforderungsnormen und Rechtsvorschriften legen die konkreten Annahmekriterien je Produktklasse fest.

Für welche Produkte und Materialien gilt die Prüfung von Bekleidungsstoffen?

Geprüft werden Gewebe, Gestricke und WirkeWARE aus Naturfasern, Chemiefasern und Mischungen, einschließlich beschichteter und laminierter Flächengebilde. Die Anwendung reicht von Oberbekleidung über Wäsche bis zu Berufskleidung und Heimtextilien; auch Zwischenprodukte wie gefärbte Ware lassen sich einbeziehen.