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Prüfung von Dispersionsfarben

Mechanische Prüfungen2026-11-04

Dispersionsfarben sind wasserverdünnbare Beschichtungsstoffe auf Polymerbasis, die im Innen- und Außenbereich großflächlich aufgetragen werden. Die Prüfung von Dispersionsfarben umfasst mehrere Dimensionen: die Charakterisierung des Prüfobjekts und der Probenarten, die geregelte Probenahme und Probenvorbereitung, die Bestimmung von Deckkraft, Streichvermögen und Viskosität sowie die Bewertung von Haftzug- und Nassabriebbeständigkeit. Ergänzend werden Trocknungszeit, Glanz und pH-Wert als co-prüfbare Parameter erfasst. Die systematische Laborprüfung liefert objektive Kennwerte für die Qualitätsbewertung, den Vergleich von Produkten und die Beurteilung der Eignung für definierte Anwendungen.

Prüfobjekt und Probenarten

Prüfobjekt ist die flüssige Dispersionsfarbe selbst sowie die daraus hergestellte getrocknete Beschichtung. Als Probenarten kommen Originalgebinde aus der Produktion, Rücksteller aus dem Handel sowie individuell abgetönte Rezepturen in Betracht. Die flüssige Probe dient der Bestimmung von Viskosität, Dichte, pH-Wert und Verarbeitbarkeit. Für Prüfungen der Beschichtungseigenschaften werden die Proben auf definierte Substrate aufgetragen, etwa auf Gipskartonplatten, Glasplatten, beschichtetes Stahlblech oder Kunststofffolien. Die Wahl des Substrats richtet sich nach dem jeweiligen Verfahren; Glasplatten eignen sich für Deckkraft- und Glanzmessungen,while Karten mit definierter Saugfähigkeit für Streichversuche herangezogen werden. Zusätzlich werden bei Bedarf Weißgrad und Ausblichverhalten anlagerungsähnlicher Vergleichsmuster geprüft. Vor jeder Prüfung ist zu dokumentieren, ob es sich um Innen- oder Fassadenfarben, matte oder glänzende Rezepturen handelt, da die Beurteilungskriterien davon abhängen.

Probenahme und Probenvorbereitung

Die Probenahme erfolgt nach den Grundsätzen einer repräsentativen Entnahme aus dem Homogenisierungsbehälter. Vor der Entnahme ist das Gebinde mit einem geeigneten Rührwerk vollständig durchzumischen, damit abgesetzte Feststoffe gleichmäßig verteilt sind. Sedimentationen und Hautbildungen sind zu protokollieren, da sie auf Lagerstabilitätsmängel hinweisen. Die entnommene Teilprobe wird in saubere, dicht verschließbare Gefäße aus Kunststoff oder Glas überführt und mit Kennzeichnung zu Probennummer, Entnahmedatum und Charge versehen. Für die Probenvorbereitung der Beschichtungsprüfungen werden die Substrate gereinigt, entstaubt und klimatisiert. Das Auftragen erfolgt mit definierten Streichwerkzeugen oder Filmziehgeräten in angegebener Schichtdicke. Anschließend sind die Proben unter Normklima zu trocknen und zu lagern, bevor Messungen an der ausgehärteten Beschichtung durchgeführt werden. Die Dauer der Konditionierung ist einzuhalten und im Prüfbericht festzuhalten.

Prüfmethoden

— Deckkraft, Streichvermögen, Viskosität
Die Deckkraft wird über das Kontrastverhältnis bestimmt. Hierzu wird die Farbe auf eine kombinierte schwarz-weiße Karte oder Glasplatte aufgetragen und nach der Trocknung der Remissionswert über beiden Untergründen mit einem Spektralphotometer gemessen. Das Verhältnis der Remissionsgrade über schwarzem und weißem Untergrund ergibt das Kontrastverhältnis, aus dem die Deckkraft abgeleitet wird. Das Streichvermögen wird über die Ausbringmenge je Flächeneinheit ermittelt; praktisch geschieht dies durch gewichtsdifferenzbestimmung vor und nach dem definieren Auftrag auf einer Messfläche. Für die Viskosität stehen rotierende Rheometer mit Kegel-Platte- oder Zylinder-Messsystemen sowie Auslaufbecher zur Verfügung. Rotationsmessungen erlauben zusätzlich die Erfassung des Fließverhaltens bei unterschiedlichen Scherraten, was thixotrope Eigenschaften sichtbar macht. Alle Messungen sind bei definierter Temperatur durchzuführen, da Viskosität und Streichverhalten temperaturabhängig sind.

Haftzug-

und Nassabriebbeständigkeit prüfen
Die Haftung der getrockneten Beschichtung auf dem Untergrund wird mit dem Haftzugversuch nach dem Verfahren mit Abreißstempeln geprüft. Dafür werden Dollche auf die Beschichtung geklebt, nach der Aushärtung des Klebstoffs mit einem Trennschnitt umringt und mit einer Zugprüfmaschine bis zum Versagen belastet. Der Bruch wird hinsichtlich Adhäsions- oder Kohäsionsversagen und Haftzugwert bewertet. Die Nassabriebbeständigkeit wird mit einem Nassabriebprüfgerät bestimmt, bei dem ein mit Bürste oder Schleifkörper bestückter Schlitten unter Zugabe einer wässrigen Prüfflüssigkeit über die Probe bewegt wird. Bewertet wird die Masseabnahme je Fläche nach fester Anzahl Doppelhübe. Alternativ wird die zu einem definierten Abtrag erforderliche Hübezahl dokumentiert. Beide Verfahren erlauben den Vergleich von Rezepturen unter identischen Bedingungen und dienen der Beurteilung der Einsatzgrenzen, etwa bei regelmäßig feucht gereinigten Wandflächen.

Weitere

co-prüfbare Parameter (Trocknungszeit, Glanz, pH)
Neben den Kernkennwerten lassen sich mehrere Parameter in derselben Prüfkampagne erfassen. Die Trocknungszeit wird staubtrocken und griffest bestimmt; dabei wird in festen Zeitabständen geprüft, wann die Oberfläche kein loses Partikel mehr abgibt beziehungsweise einer definierten Belastung standhält. Der Glanz wird mit einem Reflektometer unter genormten Geometrien gemessen, typischerweise bei 60°, ergänzend bei 20° und 85° für hohe beziehungsweise matte Glanzgrade. Der pH-Wert der flüssigen Farbe wird direkt in der homogenisierten Probe mit einem kalibrierten pH-Meter bestimmt. Ergänzend sind Dichte, Festkörpergehalt und Lagerstabilität prüfbar. Diese Kennwerte beschreiben Verarbeitung, optische Wirkung und Substratverträglichkeit zusammen. Ihre kombinierte Erfassung im selben Durchlauf verringert den Prüfaufwand, da Probenvorbereitung und Klimatisierung nur einmal anfallen.

nach

DIN EN ISO 13300 und Anwendungsszenarien
Die DIN EN ISO 13300 behandelt die Kategorisierung und das Beschreibungssystem für Farben und Lacke und ordnet die Prüfverfahren in einen einheitlichen begrifflichen Rahmen ein. Die Norm unterstützt die Auswahl der passenden Methoden für die zu charakterisierende Produktgruppe. Anwendungsszenarien der Prüfung von Dispersionsfarben sind vielfältig: Wareneingangs- und Abschlusskontrolle in der Produktion, Vergleichsprüfungen bei Rezepturentwicklungen, Beurteilung von Farbmustern bei Sanierungen sowie Klärung von Reklamationsfällen. Für Fassadenfarben stehen Witterungsbeständigkeit und Kreidung im Vordergrund, während Innenfarben auf Nassabrieb, Deckkraft und Emissionsverhalten hin beurteilt werden. Ein akkreditiertes Labor dokumentiert alle Ergebnisse in einem Prüfbericht, der die angewendeten Verfahren, Klimabedingungen und Bewertungen nachvollziehbar zusammenfasst. Auf dieser Grundlage lassen sich Produktqualität und Eignung für den vorgesehenen Zweck beurteilen.

FAQ

Welche

Dispersionsfarben und Materialien können geprüft werden?
Prüfbar sind Innen- und Fassadenfarben auf Polymerbasis, weißpigmentierte und abgetönte Rezepturen sowie Pasten für Sonderanwendungen. Neben der flüssigen Farbe wird stets auch die auf Gipskarton, Glas oder Blech getrocknete Beschichtung geprüft, wenn Kennwerte wie Deckkraft, Haftzug oder Nassabrieb bestimmt werden sollen.

Was enthält ein Prüfbericht zu Dispersionsfarben und wozu dient er?

Der Bericht dokumentiert Probenbezeichnung, angewendete Verfahren, Klimabedingungen und die ermittelten Kennwerte, etwa Kontrastverhältnis, Viskosität, Haftzugfestigkeit, Glanz und pH-Wert. Er dient dem Vergleich von Produkten, der Beurteilung bei Reklamationen und der Auswahl geeigneter Farben für Renovierungs- oder Neubauprojekte.

Wie läuft die Einsendung von Dispersionsfarbenproben ab und welche Angaben sind wichtig?

Nach Absprache mit dem Labor werden homogenisierte Proben in dicht verschlossenen Gebinden eingesendet. Wichtig sind Angaben zur Charge, zum Anwendungszweck, zu den gewünschten Prüfungen sowie zur Frage, ob Innen- oder Fassadenfarben vorliegen, da davon die Auswahl von Substraten und Bewertungskriterien abhängt.