Die Schuhwerkprüfung umfasst die systematische Untersuchung von Schuhen, Sicherheits- und Berufsschuhen hinsichtlich mechanischer, chemischer und rutschfester Eigenschaften. Gegenstand sind Obermaterial, Sohlenaufbau, Futter und gesamte Schuhkonstruktion. Die Prüfung deckt Probenahme, Verschleiß- und Dauerhaftigkeitskennwerte, Rutschfestigkeit nach EN ISO 20347 sowie die Zuordnung zu anwendungsspezifischen Prüfnormen ab. Ihre Bedeutung liegt in der objektiven Bewertung von Qualität, Tragekomfort und Sicherheit, bevor Schuhe in den Verkehr gebracht oder als Persönliche Schutzausrüstung eingesetzt werden. Nachfolgend werden Prüfobjekte, Methoden, Geräte, Kennwerte und Normzusammenhänge in nachvollziehbarer Reihenfolge dargestellt.
Prüfobjekte und Probenahme
Prüfobjekte sind fertig konfektionierte Schuhe sowie entnommene Materialproben aus Schaft, Futter, Zwischensohle und Laufsohle. Vor der Prüfung erfolgt eine Konditionierung der Proben in einer genormten Klimakammer, üblicherweise bei definierten Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen, damit die Ergebnisse vergleichbar bleiben. Für Materialprüfungen werden aus den Schuhteilen Streifen, Rundproben oder Sohlensegmente herausgetrennt. Ganzschuhprüfungen verwenden unzerlegte Exemplare mindestens in der handelsüblichen Paarzahl. Die Probenahme folgt einem Stichprobenplan, der Stückzahl, Lagerzustand und Entnahmeort festlegt. Beschädigte oder bereits getragene Muster scheiden aus. Dokumentiert werden Modellbezeichnung, Größe, Sohlenmaterial und Produktionscharge, damit jede Messung rückverfolgbar ist. Eine saubere Probenahme ist Voraussetzung für belastbare Ergebnisse in allen nachfolgenden Prüfungen und wird deshalb vorab protokolliert.
Prüfmethoden und Prüfablauf
Der Ablauf gliedert sich in eine visuelle Erstprüfung, materialbezogene Laborverfahren und Ganzschuhtests. Zunächst werden Verarbeitung, Nahtausführung, Klebeverbindungen und Oberflächenfehler begutachtet. Anschließend folgen physikalische Verfahren wie Zugprüfungen an Schaftmaterial, Biegeprüfungen an Sohlen sowie Abriebversuche an definierten Prüfflächen. Chemische Analysen, etwa spektrometrische Screeningverfahren auf bedenkliche Elemente in Beschichtungen, ergänzen die Bewertung. Der Prüfplan legt für jeden Schritt die Reihenfolge, die Probenanzahl und die Bewertungskriterien fest. Zwischen den einzelnen Verfahren werden die Proben erneut klimatisiert, wenn die Norm dies verlangt. Alle Messwerte werden fortlaufend erfasst und dem jeweiligen Prüfabschnitt zugeordnet. Am Ende steht eine zusammenfassende Auswertung, die jede Einzelmessung mit dem festgelegten Grenzwert oder Anforderungsniveau vergleicht und Abweichungen kenntlich macht.
Mechanische Prüfparameter und Prüfgeräte
Zu den mechanischen Parametern zählen Zugfestigkeit und Reißdehnung des Schafts, Weiterreißfestigkeit, Nahtfestigkeit, Solexflex-Verhalten sowie die Trennfestigkeit von Schichtverbünden. Als Geräte kommen universelle Zugprüfmaschinen mit kraftgeregelten Messwertaufnehmern, Biegeprüfmaschinen mit einstellbarer Biegewinkelamplitude, Abriebprüfgeräte nach dem Taber- oder Martindale-Prinzip sowie Dynstat-Anordnungen zum Einsatz. Für Ganzschuhprüfungen dienen Abriebtrommeln, Biegemaschinen mit Laufsimulation und Vorrichtungen zur Bestimmung der Sohlenhärte nach Shore-Verfahren. Die Prüfkraft wird stufenlos geregelt, die Prüftemperatur dokumentiert. Kalibrierung der Messwertaufnehmer und regelmäßige Zwischenprüfungen der Geräte sind obligatorisch. Die Prüfgeschwindigkeit richtet sich nach der jeweiligen Methode und darf nicht frei gewählt werden. Jede Prüfung endet mit einer grafischen oder tabellarischen Auswertung der Kraft-Dehnungs- beziehungsweise Zyklenverläufe.
Kennwerte:
Verschleißfestigkeit und Dauerhaftigkeit
Verschleißfestigkeit wird über den Masseverlust nach einer definierten Anzahl von Umdrehungen beziehungsweise Reibzyklen quantifiziert. Dauerhaftigkeit beschreibt das Verhalten unter wiederholter mechanischer Belastung, ausgedrückt in Bigezyklen bis Rissbildung, in der Zahl der Doubleups bis Sichtschaden oder in der bleibenden Druckverminderung von Dämpfungsmaterialien. Bewertet werden zusätzlich Sohlenhärte, Rissbildung an Knicksstellen und die Delaminationsneigung von Sohlenverbunden. Die Kennwerte erlauben einen direkten Vergleich unterschiedlicher Materialkombinationen und Konstruktionsprinzipien unter identischen Bedingungen. Für die Beurteilung sind die unter den normierten Bedingungen ermittelten Werte heranzuziehen, nicht die im praktischen Gebrauch beobachtete Lebensdauer. Grenzwerte oder Anforderungsniveaus ergeben sich aus dem jeweils anzuwendenden Produktstandard. Aus den Ergebnissen lässt sich ableiten, welche Sohlenrezeptur oder Schaftkonstruktion den mechanischen Beanspruchungen des vorgesehenen Einsatzbereichs standhält.
Rutschfestigkeit
und Sicherheit (EN ISO 20347, DIN EN ISO 13287)
Rutschfestigkeit ist ein zentrales Sicherheitsmerkmal von Berufsschuhwerk. EN ISO 20347 legt Grundanforderungen an berufsbedingtes Schuhwerk fest, das nicht als Persönliche Schutzausrüstung gilt, und verweist für die Rutschhemmung auf ein definiertes Prüfverfahren. DIN EN ISO 13287 beschreibt die Bestimmung des Rutschwiderstands auf keramischen und stählernen Prüfböden mit Prüfkontaminanten wie Glyzerin- oder SLS-Lösung. Gemessen wird die Kraft, die erforderlich ist, um den Schuh auf dem geneigten oder horizontal bewegten Prüfboden in Gleitbewegung zu halten oder zu versetzen. Die Prüfung erfolgt am ganzen Schuh mit definierter Normalkraft, Vorfuß- und Fersenkontakt werden getrennt erfasst. Die Ergebnisse werden als erreichter Rutschwiderstand ausgewiesen und mit den Anforderungen des Produktniveaus verglichen. Zusätzlich prüft der Sicherheitsstandard Zehenschutz, Durchtrittsicherheit und Energieaufnahme im Fersenbereich, sofern gefordert.
Anwendungsszenarien und Prüfnormen
Anwendungsszenarien ergeben sich aus dem Einsatzbereich des Schuhwerks: Berufsschuhe für Innenbereiche, Sicherheitsstiefel für Bau und Industrie, Antistatikschuhe für elektrostatisch kontrollierte Zonen sowie rutschhemmendes Personal für Küchen und Reinräume. Jedem Szenario sind Prüfnormen zugeordnet, die die Anforderungen und Verfahren festlegen. Neben EN ISO 20347 für Berufsschuhwerk kommen EN ISO 20345 für Sicherheitsstiefel und EN ISO 20346 für Schutzschuhe infrage. Chemische Anforderungen werden über allgemeine Rahmenregelwerke für bedenkliche Stoffe in Bedarfsgegenständen abgedeckt. Für sportliche Anwendungen gelten eigene Schuhprüfnormen mit Biege-, Dämpfungs- und Stabilitätsprüfungen. Die Auswahl der Normen erfolgt anhand des Verwendungszwecks und der beanspruchungsrelevanten Umgebung. Ein akkreditiertes Labor stellt die normkonforme Durchführung sicher und weist im Prüfbericht alle angewendeten Verfahren, Prüfklimata und Ergebnisse aus.
FAQ
Worauf
stützt sich die Beurteilung bei der Schuhwerkprüfung und welche Grenzwerte gelten?
Die Beurteilung stützt sich auf die Ergebnisse der mechanischen, verschleißbezogenen und rutschfestigkeitsrelevanten Prüfungen im Vergleich mit den Anforderungsniveaus des jeweils anzuwendenden Produktnormensembles, etwa EN ISO 20345 bis 20347. Konkrete Grenzwerte sind der einschlägigen Normausgabe zu entnehmen und dürfen nicht allgemein festgelegt werden.
Für welche Schuharten und Materialien eignet sich die Schuhwerkprüfung?
Geprüft werden können Berufsschuhe, Schutz- und Sicherheitsstiefel sowie sportspezifisches Schuhwerk. Materialseitig umfasst die Prüfung Schaftleder und Textilien, Futterstoffe, thermoplastische Steilkappen, polymere Lauf- und Zwischensohlen sowie Klebe- und Nähtverbindungen im gesamten Sohlenverbund.
Was enthält ein Prüfbericht zum Schuhwerk und wofür wird er verwendet?
Der Bericht dokumentiert Probenbeschreibung, Konditionierung, angewendete Verfahren, Prüfklimata, Messwerte zu Verschleiß, Dauerhaftigkeit und Rutschwiderstand sowie die Bewertung gegen die Anforderungen. Er dient Herstellern als Qualitätsnachweis, Backware-Käufern als Vergleichsgrundlage und als Beleg im Rahmen des Konformitätsnachweises.
