Akkreditiertes Laboratorium ISO/IEC 17025 · ILAC-MRA-Mitglied
ZKGX Research

Versuch zur Verifizierung der puzzolanischen Aktivität

Mechanische Prüfungen2026-11-02

Die Verifizierung der puzzolanischen Aktivität umfasst chemische und physikalische Prüfverfahren, mit denen das Reaktionsvermögen fein gemahlener, silikatischer oder alumino-silikatischer Zusatzstoffe gegenüber Calciumhydroxid nachgewiesen wird. Zu den typischen Prüfojekten zählen Flugasche, calcinierte Tone, Metakaolin, Kesselsand und Hüttensand. Der vorliegende Beitrag beschreibt die Probenvorbereitung, die beiden etablierten Referenzverfahren – den Frattini-Test und den Chapelle-Test – sowie die zugehörigen Bewertungskriterien und Messgrößen. Ergänzend werden die Anwendung dieser Versuche in der Zement- und Betonprüfung sowie die einschlägigen Normenwerke EN 196 und ASTM C618 dargestellt. Der praktische Nutzen liegt in der qualifizierten Auswahl und Freigabe puzzolanischer Haupt- und Nebenbestandteile für Gebinde mit definierten Eigenschaften.

Überblick

Unter puzzolanischer Aktivität versteht man die Fähigkeit eines Materials, in Gegenwart von Wasser mit Calciumhydroxid stabile Calciumsilicat- und Calciumaluminat-Hydratphasen zu bilden. Dieser Festigkeits bildende Vorgang verläuft langsamer als die Hydratation von Portlandzementklinker, bestimmt jedoch langfristig Dichtigkeit und Dauerhaftigkeit des Zementsteins. Für die Verifizierung stehen indirekte chemische Schnellverfahren und direkte festigkeitsbezogene Vergleichsverfahren zur Verfügung. Der Frattini-Test vergleicht die Calcium- und Hydroxidionenkonzentration einer Prüfösung mit der Sättigungskurve von Calciumhydroxid. Der Chapelle-Test ermittelt den Calciumhydroxidverbrauch direkt durch titrimetrische Rückbestimmung. Beide Verfahren ergänzen sich und bilden zusammen mit Festigkeitsprüfungen an Referenzzementen eine belastbare Entscheidungsgrundlage für die Eignung eines Stoffes als puzzolanischer Bestandteil.

Prüfmuster und Probenvorbereitung

Die repräsentative Entnahme und Aufbereitung des Prüfmusters beeinflusst das Ergebnis maßgeblich. Vom Lieferlosen wird eine Teilprobe gezogen, die nach dem Viertelungsverfahren auf die benötigte Masse reduziert wird. Grobstoffe werden vollständig abgesiebt; für die chemischen Tests ist eine Feinheit einzuhalten, die der späteren Verwendung im Bindemittel entspricht, damit die Reaktivität nicht durch zu grobe Körnung unterschätzt wird. Vor dem Ansatz wird das Material bei ca. 105 °C bis zur Massekonstanz getrocknet und anschließend im Exsikkator abgekühlt. Feuchte oder karbonatisierte Oberflächen verfälschen insbesondere die titrimetrische Bestimmung des Calciumhydroxids. Für den Frattini-Test wird eine Mischung aus Prüfmuster und Normalzement im definierten Verhältnis angesetzt; beim Chapelle-Test wird das Prüfmuster direkt mit gesättigter Kalklösung oderCalciumhydroxid versetzt. Reagentien und Wasser müssen dem Reinheitsgrad der referenced methods entsprechen.

Prüfmethoden

– Frattini-Test und Chapelle-Test
Der Frattini-Test läuft als Vergleichsversuch bei konstanter Temperatur, üblicherweise 40 °C, über acht Tage. Aus der Prüfmischung wird ein wässriger Auszug gewonnen; darin werden die Calciumionenkonzentration durch komplexometrische Titration mit EDTA und die Hydroxidionenkonzentration durch Titration mit Salzsäure gegen einen geeigneten Indikator bestimmt. Das Konzentrationspaar wird in ein Diagramm gegen die Lösekurve von Calciumhydroxid eingetragen: Liegt der Punkt unterhalb der Kurve, hat das Material der Lösung Calciumhydroxid entzogen und gilt als puzzolanisch aktiv. Der Chapelle-Test erhitzt das Gemisch aus Prüfmuster und Calciumhydroxid im geschlossenen Gefäß mehrere Stunden im siedenden Wasserbad. Anschließend wird der nicht verbrauchte Kalkanteil über Zusatz von Saccharose und säuremetrische Titration ermittelt und in Milligramm gebundenes Calciumhydroxid je Gramm Prüfmuster umgerechnet.

Bewertungskriterien und Messgrößen

Die Bewertung stützt sich auf klar definierte, reproduzierbare Messgrößen. Beim Frattini-Test ist das primäre Kriterium die Lage des Messpunkts relativ zur Calciumhydroxid-Sättigungskurve; ein Punkt unterhalb der Kurve belegt die puzzolanische Reaktion, ein Punkt oberhalb eine unzureichende Aktivität. Beim Chapelle-Test dient der Calciumhydroxidverbrauch in mg Ca(OH)₂ je g Prüfmuster als Kennzahl; höhere Werte entsprechen einer stärkeren Reaktivität, und die Auswertung erfolgt gegen einen festgelegten Mindestwert der jeweiligen Prüfanweisung. Ergänzend fließen Feinheit, chemische Zusammensetzung und Glühverlust in die Beurteilung ein, da ein hoher Karbonat- oder Sulfatanteil das Ergebnis verfälschen kann. Für die Qualitätssicherung ist entscheidend, dass Parallelbestimmungen innerhalb der Verfahrensstreuung liegen und Abweichungen die Wiederholung der Prüfung auslösen. Nur so ist eine belastbare Aussage über die Eignung als Betonzusatzstoff möglich.

Anwendung

in der Zement- und Betonprüfung
In der Zement- und Betontechnologie dienen diese Versuche der Eingangs- und Chargenprüfung puzzolanischer Haupt- und Nebenbestandteile. Zementhersteller nutzen die Ergebnisse für die Rezeptur von Portlandkompositzementen, in denen Flugasche, gebrannte Tone oder Hüttensand gezielt kombiniert werden. In der Betonproduktion unterstützen die Kennwerte die Auswahl von Zusatzstoffen für Massenbeton, donde eine verlangsamte Hydratationswärmeentwicklung und ein dichteres Porengefüge erwünscht sind. Die chemischen Schnelltests eignen sich zudem zur Überwachung chargenbedingter Schwankungen, etwa bei wechselnder Herkunft von Flugasche aus Kohlekraftwerken. Für die formale Konformitätsbewertung sind sie mit Festigkeitsprüfungen an Referenzmörteln nach EN 196 zu verknüpfen, da die chemische Aktivität allein keine Aussage über die Druckfestigkeitsentwicklung erlaubt. In der Praxis bildet die Kombination beider Ansätze den Regelfall.

Relevante Normen (EN 196, ASTM C618)

Auf europäischer Ebene regelt die Normenreihe EN 196 die Prüfverfahren für Zemente; die Festigkeitsprüfung an Mörtelprismen und die chemischen Analyseverfahren sind dort beschrieben, und nationale Regelwerke für Zusatzstoffe greifen auf diese Methoden zurück. Für Flugasche und andere puzzolanische Mineralstoffe ist ASTM C618 die zentrale nordamerikanische Produktnorm; sie legt Anforderungen an chemische Kennwerte wie SiO₂- plus Al₂O₃- plus Fe₂O₃-Gehalt, Schwefel- und Feuchtigkeitsanteil fest und schreibt Festigkeitsaktivitätsindizes vor. Dabei wird die Druckfestigkeit von Probekörpern mit Zusatzstoff gegen eine Referenzmischung ohne Zusatzstoff verglichen. Je nach Zielmarkt und Produktklassifikation können weitere nationale Regelwerke heranzuziehen sein. Vor Prüfungbeginn ist stets die aktuell gültige Fassung der Norm zu verifizieren, da Grenzwerte und Verfahrensdetails regelmäßig angepasst werden.

FAQ

Welche

Anforderungen gelten für Prüfmuster zur Bestimmung der puzzolanischen Aktivität?
Für den Versuch zur Verifizierung der puzzolanischen Aktivität ist eine repräsentative, geviertelte Teilprobe erforderlich. Das Material wird getrocknet, auf die praxisgerechte Feinheit aufbereitet und vor Karbonatisierung geschützt gelagert. Feuchte oder karbonathaltige Oberflächen verfälschen vor allem die titrimetrische Calciumhydroxidbestimmung im Chapelle-Test.

Wann

ist der Frattini-Test und wann der Chapelle-Test vorzuziehen?
Der Frattini-Test prüft die puzzolanische Aktivität an einer Mischung mit Normalzement unter realitätsnahen Bedingungen und eignet sich für vergleichende Eignungsprüfungen. Der Chapelle-Test ermittelt den Kalkverbrauch des reinen Zusatzstoffs direkt und liefert einen zahlenmäßigen Kennwert. Beide Verfahren werden ergänzend angewendet und durch Festigkeitsprüfungen abgesichert.

Nach

welchen Kriterien wird die puzzolanische Aktivität bewertet?
Beim Frattini-Test entscheidet die Lage des Messpunkts relativ zur Calciumhydroxid-Sättigungskurve; Punkte unterhalb der Kurve belegen Aktivität. Beim Chapelle-Test dient der Calciumhydroxidverbrauch je Gramm Prüfmuster als Maßstab, ausgewertet gegen den Mindestwert der Prüfanweisung. Konkrete Grenzwerte sind der jeweils gültigen Normfassung zu entnehmen.