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Prüfung von Kühlschmierstoffen

Mechanische Prüfungen2026-10-30

Die Prüfung von Kühlschmierstoffen umfasst die analytische Untersuchung von wassermischbaren und nicht wassermischbaren Schmierstoffen, die in spanenden und umformenden Fertigungsprozessen eingesetzt werden. Kühlschmierstoffe beeinflussen Werkzeugstandzeit, Oberflächenqualität, Korrosionsschutz und Arbeitssicherheit. Im Labor werden sie auf physikalische Kenngrößen, chemische Zusammensetzung, mikrobiologische Belastung und den Zustand der Emulsion geprüft. Der vorliegende Beitrag beschreibt den Prüfumfang, die Probenahme und Probenvorbereitung, die eingesetzten Laborverfahren, die relevanten Prüfparameter mit ihren Grenzwerten, die Leistungsfähigkeit der Verfahren sowie typische Anwendungsfälle und normative Verweisquellen. Damit lässt sich beurteilen, wann eine Gebrauchsfluidnacharbeitung, ein Teilwechsel oder eine Komplettentsorgung des Bades erforderlich ist.

Prüfumfang und Bedeutung

Der Prüfumfang gliedert sich in vier Ebenen. Erstens werden physikalische Eigenschaften wie Viskosität, Dichte, Flammpunkt und pH-Wert bestimmt. Zweitens folgt die chemische Analytik, etwa die Konzentration des Konzentrats im Wasser, der Gehalt an Chlorid, Nitrit, Nitrat und Ammonium sowie die Wasserhärte. Drittens steht die mikrobiologische Untersuchung auf Bakterien, Pilze und Hefen im Fokus, da mikrobieller Befall zu Korrosion, Geruchsbildung und Instabilität der Emulsion führt. Viertens werden anwendungsbezogene Eigenschaften wie Schaumverhalten, Korrosionsschutzwirkung und Stabilität der Emulsion bewertet. Die Bedeutung liegt in der Prozesssicherheit: Ein außerhalb der Spezifikation liegendes Fluid verursacht Werkzeugverschleiß, Bearbeitungsfehler und Gesundheitsrisiken für das Bedienpersonal. Regelmäßige Prüfungen erlauben eine zustandsorientierte Nachdosierung und verlängern die Standzeit des Bades.

Probenahme und Probenvorbereitung

Die Probenahme erfolgt aus dem umlaufenden System, bevorzugt an einer gut durchmischten Stelle und nicht aus dem Sedimentbereich des Tanks. Vor der Entnahme sollte die Anlage ausreichend lange umlaufen, damit eine repräsentative, homogene Verteilung vorliegt. Für mikrobiologische Untersuchungen sind sterile Gefäße und eine Probenahme ohne Totvolumen in der Armatur erforderlich; die Probe wird gekühlt und zeitnah untersucht. Behälter aus Glas oder chemisch inertem Kunststoff sind zu verwenden; Metallgefäße können durch Abgabe von Ionen das Ergebnis verfälschen. Bei wassermischbaren Produkten wird neben der Gebrauchsflüssigkeit auch eine Frischemulsion angesetzt, die als Referenz für Stabilitäts- und Korrosionsprüfungen dient. Die Probenvorbereitung umfasst das Homogenisieren, das temperierte Einstellen der Prüftemperatur sowie die Verdünnung auf die nominierte Gebrauchskonzentration. Dokumentiert werden Probenahmeort, Badalter, Nachschärfungshistorie und Systemvolumen.

Prüfmethoden im Labor

Zur Konzentrationsbestimmung dient die Titration, häufig als Säure-Base-Titration oder als Salzsäure-Titration gegen einen Indikator; alternativ wird die Refraktometrie angewendet, bei der über den Brechungsindex und einen produktabhängigen Faktor auf die Konzentration geschlossen wird. Der pH-Wert wird elektrometrisch mit einer Glaselektrode gemessen. Für Anionen wie Chlorid, Nitrit und Nitrat kommen ionenchromatographische Verfahren oder photometrische Testverfahren zum Einsatz. Ammonium wird photometrisch, etwa nach der Indophenol-Methode, bestimmt. Die Wasserhärte ergeben komplexometrische Titrationen. Mikrobiologische Prüfungen erfolgen über Dip-Slide-Kulturen mit Nährbodenplatten, deren Koloniebildung nach Bebrütung ausgezählt wird; für Detailanalysen stehen Kultivierungsverfahren und molekularbiologische Nachweise zur Verfügung. Die Korrosionsschutzwirkung wird mit dem Spannungsrost-Test nach IP 287 geprüft. Schaumneigung prüft man mit dem Schaumtest nach ASTM D3601 in verschlossenen Behältern.

Prüfparameter und Grenzwerte

Zu den Kernparametern zählen die Konzentration, der pH-Wert, die mikrobielle Keimzahl, die Nitrit- und Nitratgehalte sowie die Wasserhärte. Die Konzentration wird üblicherweise auf den Hersteller- und Systemdatenblattwert des jeweiligen Produkts bezogen; die Bandbreite liegt je nach Operation typischerweise zwischen wenigen und zehn Prozent. Der pH-Wert wassermischbarer Emulsionen sollte sich im leicht alkalischen Bereich halten, da ein Abfall mikrobielles Wachstum und Korrosion begünstigt. Für die Keimzahl gelten in Betrieben verbreitete Eingriffslevel, unterhalb derer eine Badpflege ausreichend ist und oberhalb derer eine Schockdosierung oder ein Badwechsel einzuleiten ist. Nitrit ist im Hinblick auf die Bildung kanzerogener Nitrosamine mit Hydrazin-haltigen Produkten kritisch zu bewerten. Grenzwerte sind je nach Werkstoff, Prozess und Produkt festzulegen; maßgeblich sind die Spezifikation des Fluidherstellers, betriebliche Vorgaben und arbeitschutzrechtliche Bewertungen, etwa gegenüber Luftgrenzwerten für Bioaerosole.

Leistungsfähigkeit der Prüfverfahren

Die Verfahren unterscheiden sich in Nachweisstärke, Zeitaufwand und Aussagekraft. Refraktometer liefern in wenigen Minuten ein Ergebnis am System, sind aber durch Fremdöleintrag und Alterung der Emulsion in ihrer Genauigkeit begrenzt; die Titration ist hier präziser, benötigt jedoch ein Labor und geschultes Personal. Die Ionenchromatographie erreicht niedrige Nachweisgrenzen und trennt mehrere Anionen in einem Lauf, während photometrische Schnelltests vor Ort eine Orientierung innerhalb Minuten erlauben. Dip-Slides quantifizieren Keimzahlen semiquantitativ nach 24 bis 48 Stunden Bebrütung und eignen sich für ein Routinemonitoring; kulturelle Vollverfahren und molekularbiologische Methoden liefern differenziertere Befunde, beanspruchen jedoch längere Zeit. Der Spannungsrost-Test korreliert die Laborbedingung mit der Praxis nur eingeschränkt, da Werkstoff, Wasserqualität und Badalter den Ausgang beeinflussen. Für belastbare Aussagen empfiehlt sich die Kombination von Schnelltests vor Ort mit bestätigenden Laboranalysen.

Anwendungsfälle und Normen

Anwendungsfälle sind die Erstbefeuchtung neuer Systeme, die routinemäßige Zustandsüberwachung im Wartungsintervall, die Abklärung auffälliger Symptome wie Geruch, Hautreizungen oder Korrosion an Werkstücken sowie die Entscheidung über Badwechsel und Entsorgung. Auch bei Lieferantenwechseln und im Rahmen von Prozessauditierungen werden Fluidprüfungen herangezogen. Normative Verweisquellen umfassen die DIN 51360 zum Spannungsrost-Test, die DIN 51368 für die Bestimmung des pH-Werts wassermischbarer Kühlschmierstoffe, die ASTM D3601 zur Schaumprüfung sowie die ISO 12922 und die DIN 51520 für Schmierstoffklassifikationen. Für Arbeitsschutzaspekte sind die Technischen Regeln für Gefahrstoffe zum Thema Kühlschmierstoffe einschlägig, insbesondere zu Bioaerosolen und zu inhalierbaren Fraktionen. Die Auswahl der Prüfumfänge und Prüffrequenzen richtet sich nach Systemgröße, Verschleißeintrag und produktionstechnischer Bedeutung.

FAQ

Worauf

stützt sich die Bewertung eines Kühlschmierstoffs?
Die Bewertung stützt sich auf den Vergleich der Messwerte mit den Spezifikationen des Fluidherstellers und den betrieblich festgelegten Eingriffsleveln, etwa für Konzentration, pH-Wert und Keimzahl. Ergänzend herangezogen werden Normen wie DIN 51360 für den Spannungsrost-Test und arbeitschutzrechtliche Vorgaben zu Bioaerosolen. Ohne festgelegte Bewertungsgrenzen bleibt eine Einzelmessung wenig aussagekräftig.

Für welche Produkte und Materialien gilt die KühlschmierStoffprüfung?

Geprüft werden wassermischbare Kühlschmierstoffe als Emulsion bzw. Lösung und nicht wassermischbare, ölbasierte Schneidöle. Die Analytik umfasst Neuprodukte, angesetzte Frischemulsionen und Gebrauchsflüssigkeiten aus umlaufenden Systemen. Auf unterschiedliche Werkstoffkontakte, Wasserhärten und Prozessarten ist bei der Auswahl der Prüfparameter entsprechend Rücksicht zu nehmen.

Was enthält ein Prüfbericht zu Kühlschmierstoffen und wozu dient er?

Ein Prüfbericht dokumentiert Probenahmestelle, Badalter, die Prüfparameter wie Konzentration, pH-Wert, Anionengehalte und Keimzahl, die angewendeten Verfahren sowie das Bewertungergebnis gegenüber den festgelegten Grenzwerten. Er dient der Zustandsbeurteilung, der Steuerung von Nachschärfung und Badpflege, der Vorhaltung im Rahmen von Audits und der Nachweisführung bei Arbeitsschutz- und Entsorgungsentscheidungen.